20. Arbeitstagung zur Gesprächsforschung

Category
Date
29. March 2017 14:00 - 31. March 2017 14:00
Registration Deadline
28. February 2017
Institut für Deutsche Sprache
R 5,6-13
68161 Mannheim

Postfach 10 16 21
68016 Mannheim

Tagung: Diskursmarker - 20. Arbeitstagung zur Gesprächsforschung, Institut für Deutsche Sprache Mannheim

Interaktion findet heute unter medial vielfältigen Bedingungen statt. Face-to-face-Interaktion, häufig als Prototyp interaktionalen Austauschs begriffen, unterliegt daher vielgestaltigen Veränderungen. Das liegt im Wesentlichen an einer Ablösung der Interaktion von einem geteilten Hier und Jetzt, womit – je nach Medium – umfängliche Einschränkungen wie Einseitigkeit oder begrenzte Wahrnehmung der Kommunikationspartner einhergehen. Zusammengenommen bringt dies eine enorme Vielfalt an neuen Kommunikationsbedingungen, -formen und -gebrauchsweisen hervor, deren Einfluss auf Interaktion erheblich ist.
Die Erforschung von Interaktion und medialer Kommunikation trägt diesem Umstand bisher nur begrenzt Rechnung. Nach wie vor werden an Face-to-face-Interaktionen gewonnene Erkenntnisse und Kriterien auf mediale Kommunikationsformen übertragen oder mediale Kommunikation wird isoliert und ohne Rückbezüge zu ihrer interaktionalen Verfasstheit in den Blick genommen. Etablierte Konzepte der Medienforschung wie etwa parasoziale Interaktion (Horton/Wohl) haben bislang kaum eine Verankerung in entsprechenden Daten gefunden. Die medialen Bedingungen von Interaktion bleiben daher häufig unreflektiert. Etablierte Konzepte der Interaktionsforschung wie Sequenzialität oder konditionale Relevanz wären daher systematisch an Formen unterschiedlicher medial vermittelter Kommunikation zu überprüfen und ggf. zu reformulieren bzw. wären etablierte Konzepte der Medienforschung einer empirischen Substantiierung anhand natürlicher Interaktionsdaten zu unterziehen. In beiden Fällen wird der Blick geschärft sowohl für den Gegenstand Interaktion, der aufgrund medialer Vermittlung systematischen Modifikationen unterliegt, als auch für Formen medialer Kommunikation, die sich immer an unvermittelteren Arten menschlichen Kontakts orientieren. Dies eröffnet auch einen Blick auf Grenzen und Reichweiten des Interaktionsbegriffs, da mediale Vermittlung – je nach Medium – weitreichende Modifikationen mit sich bringt (bis hin zur reinen Textkommunikation), bei denen gefragt werden kann, ob hierbei sinnvollerweise noch von Interaktion die Rede sein soll.
Die Arbeitstagung soll zur Klärung dieser Fragen beitragen. Sie setzt sich zum Ziel, Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen zusammenzuführen, deren Forschungsschwerpunkte in Medienlinguistik, Mediensoziologie, Medienpsychologie und Medienpädagogik liegen, um einen interdisziplinären Austausch zum übergeordneten Phänomen der Interaktion unter Bedingungen medialer Vermittlung in Gang zu setzen. Ziel ist es zudem, unterschiedliche interaktionstheoretische Perspektiven auf Medienkommunikation zu dokumentieren und miteinander ins Gespräch zu bringen.

Organizer
Institution: Institut für Deutsche Sprache
Contact Person
Axel Schmidt / Thomas Spranz-Fogasy (Organisatorisches)
Telephone
Media